Doku über die Künstlerkommune Drop City

Drop City gilt noch heute als die erste ländliche Hippie-Kommune der 1960er-Jahre in den Vereinigten Staaten. Regisseurin Joan Grossman erzählt in ihrem Filmprojekt von den ersten Ideen, der Realisierung und letztlich dem Verfall der Künstlerkolonie.

Von der Drop Art zu Drop City

Grossmans Film erzählt die Geschichte der Filmemacherin JoAnn und Gene Bernofsky, den Künstlern Richard Kallweit und Clark Richert sowie Kreativen und Intellektuellen, die im Laufe der Zeit in Drop City ihre Heimat fanden.
Gene und Clark, die Anfang der 1960er-Jahre in einer Wohngemeinschaft lebten, entwickelten das Konzept der „Drop Art“. Indem sie verschiedene Gegenstände von Gebäuden hängen ließen, griffen sie mit ihrer Kunst in das alltägliche Leben der Passanten ein, die mit den hängenden Gegenständen konfrontiert wurden. Drop City letztlich sollte ein Kunstwerk sein, in dem man leben konnte.

Ein Stück Land

1965 kauften Gene und JoAnn in der Nähe von Trinidad/Colorado ein Stück Land und gründeten hier zusammen mit Genes Freund Richard Kallweit und dessen Studienkollege Clark Richert die Künstlerkommune Drop City. Sie wollten das konservative Leben ihrer Eltern abstreifen und die Mainstream-Kultur hinter sich lassen.

Erste Kuppeln entstehen

Inspiriert durch eine Vorlesung von Richard Buckminster Fuller 1965 in Boulder und dessen Ausführungen zu geodätischen Kuppeln, entstand die Idee, die Häuser in Drop City im geodätischen Design zu errichten. Da Buckminster Fuller seine Pläne zum Bau der Dymaxion Kuppel damals noch nicht veröffentlicht hatte, nahmen sie an einem Gewächshaus im Garten eines Fremden Maß, bauten eine erstes Modell aus Strohhalmen und bald darauf das erste Haus. Dieses erste Haus in Drop City war im Grunde eine einfache Version von Fullers wissenschaftlicher und präziser Methode. Zum ersten Mal wurden geodätische Kuppeln zum Wohnen errichtet. JoAnn, Gene, Richard und Clark verwendeten für den Bau ausschließlich recycelte Materialien: Flaschendeckel zur Dämmung, Autodächer vom Schrottplatz zur Verkleidung, rostige Nägel, die sie aus altem Bauholz gezogen hatten.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Pinball Films (Quelle: Buckminster Fuller Archive at Stanford University). Aus dem Dokumentarfilm „Drop City“.

Kommunenleben

Zwischen 1965 und 1969 lebten zwischen vierzehn und 20 Droppers – wie die Bewohner von Drop City damals genannt wurden – in der Siedlung. Immer mehr Wohnkuppeln wurden errichtet. Erst zogen Freunde ein, dann Freunde von Freunden. Heute sagt Gene Bernofsky, dass sie damals trotz des Kommunencharakters keine wirkliche intellektuelle Vorstellung einer Kommune hatten.

Der Niedergang

Mit dem Wachsen Drop Citys nahm auch das öffentliche Interesse an der Kommune zu. Zeitungen berichteten über die Künstler und Intellektuellen, Besucher kamen, um durch die Siedlung geführt zu werden, Tausende Menschen feierten Ende der 1960er-Jahre in der Kommune das Joy Festival.
Die ursprüngliche Intention der Gründer, Drop City als einen Ort der Kunst und des intellektuellen Austausches zu schaffen, war zu diesem Zeitpunkt längst verloren gegangen. 1969 hatten bereits alle ursprünglichen Bewohner Drop City verlassen. Sie lebten teilweise in Nachfolgekommen, deren Bau- und Lebensweise von Drop City inspiriert wurden.

Lange nachdem Drop City von seinen Bewohner verlassen wurde, dachten JoAnn und Gene Bernofsky darüber nach, die Siedlung wieder aufzubauen. Doch keiner der damaligen Bewohner wollte an diese Ort zurückkehren. Letztlich verkauften die beiden das Land an einen Nachbarn, der die letzten Kuppeln von Drop City abriss und das Land heute anderweitig nutzt.

Einfluss

Zwischen 1965 und 1973 wurden in den USA rund 600 Kommunen etabliert. Drop City gehörte zu den ersten dieser Art und hat viele weitere Kommunen und experimentelle Projekte geprägt.


Der Dokumentarfilm „Drop City“ ist erhältlich über 7th Art:
http://www.7thart.com/films/Drop-City

Weitere Informationen zum Film:
http://www.dropcitydoc.com/

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