Nachhaltiges Wohnen an Sardiniens Ostküste

Eingebettet in hügelige Olivenhaine, nahe des sardischen Dorfes Dorgali, liegen die beiden Häuser von Edouardo Sottocasa. Mitten in einer Landschaft, die im Herbst von langen heißen Sommern ausgedörrt erscheint und im Frühjahr nur kurz erblüht. Das Besondere an Edouardos Häusern: Sie sind fast vollständig aus recycelten Materialien errichtet worden. Die Erfüllung eines Jugendtraums!

Die Geschichte der Isola Incognita beginnt 1968. Mitgerissen von den Studenten- und Bürgerrechtsbewegungen der 1960er-Jahre beschließt der 20jährige Edouardo, er wolle die Welt verändern. Da diese Aufgabe jedoch zunächst im Ganzen doch nicht zu bewältigen scheint, beginnt Edouardo mit der Veränderung seiner eigenen kleinen Welt und versucht, seinen lang gehegten Traum anzugehen: auf dem Land zu leben und sich selbst versorgen zu können.
Doch bevor er diesen Traum verwirklicht, sollen noch Jahre ins Land gehen. Edouardo arbeitet zu dieser Zeit als Fotograf in Paris, bis sich in den 1990er-Jahren mit der Einführung der digitalen Fotografie ein so massiver Wandel in seinem Berufszweig vollzieht, den er nicht mehr mitgehen möchte. Es ist die Zeit gekommen, einen Schlussstrich unter sein bisheriges Leben zu ziehen.
Seinen Traum im Hinterkopf und inspiriert von Aufenthalten auf Sardinien, macht er sich auf die Suche nach einem Stückchen Land auf der Mittelmeerinsel und wird fündig. Voller Motivation und mit wenig Geld in den Taschen beginnt er 1997 einen neuen Abschnitt in seinem Leben. Er kauft ein Hektar Land, bepflanzt mit Olivenbäumen und Weinreben in den Hügeln an Sardiniens Ostküste.
Zusammen mit einigen Helfern errichtet Edouardo auf seinem neuen Land ein Haus, das überwiegend aus recycelten Materialen besteht. Glasscheiben ersetzen in Schlafzimmer und Wohnzimmer die Wände, geben tagsüber den Blick frei auf die sanften Olivenhaine, nachts auf einen klaren Sternenhimmel. Alte bunte Glasflaschen tauchen das Bad in Regenbogenfarben. Alles ist bunt, zusammengewürfelt, schön, gemütlich.
Während dieser ersten Jahre auf Sardinien arbeitet Edouardo als Touristen-Guide, kommt kaum dazu, sich in Erinnerung zu rufen, warum er sein altes Leben hinter sich lassen wollte und ist, wo er ist. Schafft es nicht, sein Land nach seinen Vorstellungen zu bewirtschaften. Die Begeisterung einiger Freunde für sein Recycling-Haus bringen ihn auf den Gedanken, dass er dieses an Touristen vermieten könne. Dies hat jedoch zur Folge, dass Edouardo ein neues Haus für sich errichten muss.

In diese zweite Behausung steckt er all seine Träume, Wünsche und Vorstellungen, entdeckt eine völlig neue Ambition. Er errichtet es auf dem höchsten Hügel seines Landes, mit einem grandiosen Blick über seinen Olivenhain. Es ist nur 90 m2 groß, besteht zu 70% aus recycelten Materialien. Edouardo verwendet überwiegend Holz und Glas als Baumaterialien. Dabei stammt das Holz zumeist von alten Paletten, die Scheiben alter Berliner Busse verwendet er als Fenster. Das Dach des neuen Hauses wandelt er in ein Gemüsebeet. Im Gegensatz zu seinem ersten Haus, lässt sich dieses mit weniger Aufwand heizen, denn auch die sardischen Winter können durchaus frostig werden. Heute sind die Nordwände des Hauses mit Strohballen gedämmt, doch in den ersten Monaten mussten Holzpaletten gefüllt mit geknüllter Zeitung als Dämmung ausreichen. Die Temperatur beträgt konstant 22 Grad sommers wie winters. Elektrizität bezieht Edouardo durch den Einsatz von Solarpaneelen, auch wenn diese nicht zur Deckung des gesamten Bedarfs ausreichen.
Durch den eigenen Gemüsegarten und ein Dutzend Hühner kann er sich zu weiten Teilen selbst versorgen. Auch Kaninchen hoppeln eilig durch den Garten, allerdings nicht für den Kochtopf. Aus den geernteten Oliven stellt Edouardo mittlerweile jährlich etwa 150 Flaschen Olivenöl her und verkauft diese an Touristen. Das erste Haus wird zwischen März und Oktober durchgehend vermietet. Die Gäste im Haus sind für ihn mittlerweile viel mehr als nur Touristen. Sie kommen jedes Jahr wieder und sind Teil einer großen Familie geworden. Seit 2001 teilt Edouardo seinen Lebenstraum mit Giulia, seine Begleiterin in guten und schlechten Momenten. Getroffen haben sich die beiden beim Wandern in den sardischen Bergen.
Sein Zuhause ist für Edouardo ein richtiges Nest, es ist gemütlich und macht ihn glücklich, sagt er. Die großen Fenster beschützen ihn vor jedem Wetter, geben ihm jedoch das Gefühl, mit der Natur verbunden zu sein. Es ist kein hektisches Leben hier in den Hügeln. Es ist eines, das ausgefüllt ist, mit den essentiellen Dingen des Lebens und …. dem Lesen vieler Bücher!

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