Ein rollendes Zuhause

Europa mit einem alten VW Camper zu erkunden, sich frei zu fühlen, von der Straße aus zu arbeiten, das ist der Traum vieler. Die beiden Engländer Calum und Lauren haben ihn in die Tat umgesetzt. Vor sechs Jahren kauften sie einen 1996er VW T4, bauten ihn zu einem mobilen Zuhause um und sind seitdem die meiste Zeit auf Europas Straßen unterwegs.

Unterwegs mit der Familie

Calum und Lauren kennen sich schon ihr halbes Leben lang. Sie sind zusammen zur Schule gegangen, sind als Nachbarn in der kleinen Stadt Newport Pagnell nördlich von London aufgewachsen, wurden letztlich vor zehn Jahren ein Paar. Schon als Kind verbrachte Calum mit seiner Familie viele Urlaube im Camper, meist fuhren sie in den Südwesten Englands. Während dieser intensiven Zeit zusammen mit seinen Eltern und seinen drei Schwestern hat Calum wohl seine Leidenschaft für diese Art des Reisens entdeckt und er war sich damals schon sicher, dass er irgendwann einmal selber einen Van besitzen und durch die Welt reisen würde.

Das Gefährt

Vor sechs Jahren dann kaufte er den 1996er VW T4, dessen vorheriger Besitzer ihn als Lieferwagen genutzt hatte. Er war schmutzig, nicht im Geringsten fürs Campen ausgestattet und zeigte die Narben eines Lebens auf dem Asphalt. Doch zuverlässig war das Gefährt und günstig dazu. Mehrere Monate steckten Lauren und Calum in den Ausbau des Wagens, versuchten, sich eine heimelige Umgebung für ihren geplanten Trip durch Europa zu schaffen.

Eine Grunderneuerung

Nach den ersten 80.000 gefahrenen Kilometern in ihrem neuen mobilen Zuhause stellten sich die ersten Probleme ein. Rost hatte sich durch einige Teile der Karosserie gefressen. Bevor an eine weitere Reise zu denken war, musste Geld in die Hand genommen und der T4 von Grund auf restauriert werden. Um dieses Großprojekt zu finanzieren starteten Lauren und Calum eine Kickstarter Kampagne, [https://www.kickstarter.com/projects/therollinghomebook/the-rolling-home-book?lang=de] mit der sie knappe 25.000 £ sammelten. Aufhänger für die Kampagne waren zum einen die anstehenden Reparaturen, vor allem aber ein Buch über ihre Reise.

Das Buch

Calum und Lauren hatten während ihrer Reise immer wieder die schönsten Momente mit der Kamera festgehalten und die Bilder auf ihrem Blog mit Familie, Freunden und Interessierten geteilt. Doch auf Papier gedruckt schienen ihre Erlebnisse transportier- und erlebbarer. Geplant war dieses Buch nicht – doch das Gefühl, es letztlich gedruckt in Händen halten zu können, gehörte zu den lebensbejahendsten Momenten, so Calum.

Das Innenleben

Während sich nach der erfolgreichen Finanzierung des Buches und der Reparatur des VW Camper ein Freund von ihnen der Restaurierung der Karosserie widmete, nutzen Lauren und Calum die Gelegenheit und erneuerten die Teile des Interieurs, die auf ihrer Reise durch Europa gelitten hatten.
Irgendwo zwischen Boot und gemütlichem englischen Cottage liege der Stil der Innenausstattung des Vans, sagt Calum, und verweist auf sein Lieblingsdetail, das alte Bullauge, das vorher Teil eines Kanalbootes war und nun die Landschaften beim Blick aus dem Van auf wundervolle Weise einrahmt. Um den VW zu einem richtigen Zuhause zu machen, finden sich hier viele Dinge, die ihnen besonders wichtig sind. Sei es eine Decke, die Calums Mutter ihm zum Geburtstag gestrickt hat, die von Laurens Mutter genähten Gardinen, oder aber ihre Kameras und das technische Equipment, die für ihre Arbeit unterwegs unabdingbar sind, und letztlich natürlich ihre Surfbretter.

Arbeiten und Genießen

Ein perfekter Tag im Van? Der beginnt, so Calum, zunächst einmal mit spätem Aufwachen – sofern es nicht gerade besonders gute Wellen gibt, denn dann startet er bereits früher. Während die Sonne langsam aufsteigt und es wärmer wird, sitzen die beiden vor ihrem Van, kochen sich ein einfaches Frühstück. Sie verbringen die Tage in der Natur, erkunden die Gegend. Wenn es einmal regnet, machen sie es sich bei einer Tasse Tee im Innern des Vans gemütlich und lesen. Abends dann ein Glas Rotwein, der Grill wird angeschmissen, der Geruch des Lagerfeuers und das Lachen der Freunde hängen in der Luft. Nicht gerade ein typischer Tag, aber eben der perfekte.
Natürlich kommt es auch einmal vor, dass die beiden bis spät in die Nacht nach einem geeigneten Stellplatz suchen, während sie seit Stunden nichts mehr gegessen haben. Doch auch dann findet sich immer irgendein Ort, an dem sie Halt machen können. An solchen Tagen verkrümeln sie sich ins Innere des Wagens, ziehen die Gardinen zu und dann kehrt auch wieder das Lächeln zurück auf ihr Gesicht.
Doch wer viel reist, braucht auch immer ein wenig Geld. Lauren und Calum führen aus ihrem Van heraus das kleine Unternehmen „Stocked ever Since“ und nehmen Aufträge aus der Kreativwirtschaft entgegen. In ihrem Online-Shop verkaufen sie zudem Lifestyle-Produkte rund um ihr rollendes Zuhause.

Zukunft

Diesen Winter haben sich Calum und Lauren ein Zimmer in Cornwall gemietet. Ein Kompromiss, so sagen sie, denn wenn sie schon nicht reisen können, dann soll doch zumindest das Meer vor der Haustüre sein. Zeit und Konzentration brauchen sie momentan für ihr neues Projekt, das Rolling Home Journal, ein Magazin über das mobile Wohnen und Leben.
Ob sie ihr weiteres Leben im Camper verbringen werden, wissen die beiden vermutlich noch nicht. Doch seit sie vor vier Jahren zum ersten Mal skandinavische Luft geschnuppert haben, träumen sie davon, im Norden Schwedens irgendwann einmal ein Stück Land zu kaufen, eine einfache Hütte zu bauen, ihren Campervan im Garten zu parken und dort alt zu werden. Ein schöner Traum.

Ein Zuhause

Und natürlich haben wir die beiden auch gefragt, was für sie letztlich ein Zuhause überhaupt ausmacht. Und so beschreibt Calum seine Vorstellung eines Zuhauses: „Ein Zuhause ist dort, wo geliebte Menschen sind, wo man sich geborgen und zufrieden fühlt. Es ist dort, wo man tief schläft und positiv gestimmt aufwacht, mit Träumen und Ideen, die einem durch den Kopf schwirren.“


Begleitet Calum und Lauren auf ihrer Reise.
http://therollinghome.uk/
@therollinghome

Stoked Ever Since
http://www.stokedeversince.com/

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